Read Große Liebe by Navid Kermani Online

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Das erste Mal hat er mit fünfzehn geliebt und seitdem nie wieder so groß: Im Laufe von wenigen, viel zu wenigen Tagen erlebt ein Junge alle Extreme der Verliebtheit, vom ersten Kuss bis zur endgültigen Abweisung. Im Mikrokosmos eines Gymnasiums Anfang der 80er Jahre und vor dem Hintergrund der westdeutschen Friedensmärsche führt Navid Kermani das zeitlose Schauspiel der LiDas erste Mal hat er mit fünfzehn geliebt und seitdem nie wieder so groß: Im Laufe von wenigen, viel zu wenigen Tagen erlebt ein Junge alle Extreme der Verliebtheit, vom ersten Kuss bis zur endgültigen Abweisung. Im Mikrokosmos eines Gymnasiums Anfang der 80er Jahre und vor dem Hintergrund der westdeutschen Friedensmärsche führt Navid Kermani das zeitlose Schauspiel der Liebe in ihrer ganzen Majestät und Lächerlichkeit vor. Die Schilderung der ersten Blicke, Berührungen und Abschiedsbriefe verknüpft er mit den Erzählungen der arabisch-persischen Liebesmystik. Für den Leser öffnet sich ein Gang durch irdische und göttliche Seelenlandschaften, der fast unbemerkt Kulturen und Jahrhunderte überbrückt....

Title : Große Liebe
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ISBN : 9783446244740
Format Type : Hardcover
Number of Pages : 224 Pages
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Große Liebe Reviews

  • Katy Derbyshire
    2018-09-21 14:36

    The Undertones meets (medieval Persian poet) Nizami. A jewel of a love story.

  • Kevin Robert
    2018-10-14 13:43

    Auch die flüchtige, naive und selbst erhöhte Liebe eines 15-jährigen darf eine „Große Liebe“ sein. In Kermanis neuestem, autobiographisch gefärbten, Roman offenbart uns ein Erzähler die dreißig Jahre zurückliegende jugendliche Liebe zu einer älteren Mitschülerin, die - so abrupt beendet wie begonnen - besonders im Trennungsschmerz ihre wahre Größe findet. Es sind die frühen Achtziger Jahre, in den Köpfen der Gymnasiasten einer westdeutschen Kleinstadt paaren sich pazifistische Ideale der Friedensbewegung mit alternativem Nischendenken; Pläne zum Bau einer heimischen Stadtautobahn treiben die jungen Protestler auf die Straße, überhaupt steht vieles unter einer Art Faschismus-Generalverdacht. In den Köpfen nisten buddhistische Ahnungen, oben drauf stehen die Haare im Stile Hendrix' zu Berge, die Körper zieren, Schicht auf Schicht, farbenfrohe Wollpullover und an den Füßen dürfen, für jene, die etwas auf sich halten, die Birkenstock-Sandalen nicht fehlen. Da gibt es den Jungen von gerade einmal 15 Jahren, der, wie sich der Erzähler erinnert, in jeder Pause, in aller sehnsüchtigen Heimlichkeit, zwischen den Großen in der Raucherecke weilt, nur um einen Blick zu erhaschen, von ihr, der „Schönsten auf dem Schulhof“, die mit ihrem Diastema das Herz des Buben erobert, ohne davon Notiz zu nehmen. Erzähler und Junge sind, in 30-jährigem Abstand, ein und dieselbe Person, obwohl die Schreibweise anderes suggeriert; sein früheres Ich ist dem Erzähler fremd geworden, daher nichts als Dritte Person, selbst wiederentdeckte Tagebucheinträge tragen kaum dazu bei, die Gefühlswelt aus jugendlichen Tagen wiederzubeleben. Die Pubertät, das Erwachsenwerden, scheint zwischen beiden zu stehen, beschreibt der Erzähler doch die jugendliche Ich-Werdung vielmehr als eine Art IchVerlust. Und so berichtet der Erzähler von einer kurzen Zeit von gerade einmal einer Woche, in der sich mit dem Pausenhofschwarm doch tatsächlich mehr ereignet, ja, dem Jungen scheinbar alle Wünsche auf einmal erstattet werden, der Himmel auf Erden ihm zu Füßen liegt. Dafür wagt der Erzähler eine Art literarisches Experiment, lässt sich mit dem Durchforsten von Kopf und Herz einhundert Tage Zeit, um schlussendlich doch keine Gewähr für die Richtigkeit seiner Berichte geben zu können. Den Erinnerungen gegenübergestellt werden Anekdoten, Psalmen, Aphorismen der islamischen Liebesmystik, die auf den ersten Blick so verstaubt wirken mögen wie der Schreibstil Kermanis auf überempfindliche Leser. Doch gehen diese Texte - memorierte Mosaike, sufische Prosa, dann wieder Auszüge aus Aldous Huxley - eine ganz eigendynamische Symbiose ein, geben einem oftmals unüberlegt bagatellisierten Liebesleiden eines Jugendlichen seine mystische Rechtfertigung. Kermani stellt als promovierter Orientalist dieser kleineren, provinziellen, irdischen Liebe, die noch darüber hinaus nur von so kurzer Dauer ist, mit diesen Schriften eine spirituelle gegenüber, dreht aber insofern den Spieß um, als dass hier die Gottestexte sich der Prüfung durch das Weltliche unterziehen müssen. Ob erfolgreich, bleibt dem Leserurteil überlassen. Dies ist der Kern des Romans, der in seiner proleptischen Schreibweise seine Spannung durch anderes als die bloße Liebesgeschichte erhält. Wie für den Erzähler die eigenen Erinnerungen nur schwer greifbar sind, sie hinterfragt und häufig auch bezweifelt werden müssen, bekommt dieser ebenso wenig seinen eigenen Sohn zu fassen, der, selbst 15 Jahre alt und Scheidungskind, keine pubertäre Allüre vermissen lässt und seinem Vater nicht einmal an seinem Geburtstag Zeit für das gemeinsame Frühstück einräumen will. Somit trägt dieses Buch ein Stück weit auch eine Art Generationenproblematik in sich; auf der einen Seite der undurchsichtige Sprössling des Erzählers, der (womöglich verliebt?) seinem Vater, dem Erzähler, keinen Zugang gewährt. Auf der anderen das eigene, unbegreiflich naive 15-jährige Ich, das 1983 im Rausche der Liebe und des Kummers seine Eltern vor Sorge beinahe um den Verstand gebracht hätte. Kermani, Joseph-Breitbach-Preisträger dieses Jahres, hat mit „Große Liebe“ auch einen großen Roman für die Liebe, die Liebe in der Dichtung geschrieben. Er stellt sich schützend vor die jugendliche Selbstereiferung, die bodenlose Weltvergessenheit und Naivität, mit der sich ein Neuntoder Zehntklässler auf das Pult des Oberstufenlehrers stellt, um seinem vier Jahre älteren, in den Status der Heiligkeit erhobenen Schwarm, vor versammelter Mannschaft und zu dessen großer Schmach, die Naturgewalt seiner Liebe zu gestehen. Kermani hat ein Buch geschrieben, das mit der Beziehung zwischen Erzähler und seinem so fremd gewordenen pubertären Ich punktet, da diese nicht konstruiert erscheint. Hier wirkt die kritische, fast wissenschaftliche Distanz des geschiedenen Mittvierzigers, der in alten Tagebuchaufzeichnungen nichts finden kann als „den Ton pubertärer Selbsterhöhung“, nichts als stürmende und drängende Jugendemotion mit drei Ausrufezeichen, durchaus plausibel und authentisch. Denn wer hätte nicht schon selbst der Erinnerung an die erste „große Liebe“ mit einem weinenden und einem lachenden Auge gedacht? Auch stilistisch lässt Kermani seinen Erzähler die richtigen Töne treffen. Seine Schreibart erscheint mit ihren afiniten Konstruktionen traditionell, jedoch im positiven, weil zeitlosen Sinne, und wirkt auf den Leser daher nicht als bloßes prätentiöses Eindruckschinden. Zudem gewährt der Erzähler uns Einlass in seine literarische Komposition: das Experiment, der Entfaltung seiner Erinnerungen so viel Wert und Raum zukommen zu lassen, dass er darüber sogar sprengt, was per Definition eine Seite zu sein hat. Eine mutige, frische Herangehensweise, die der durch und durch positiven Leseerfahrung sicherlich keinen Abbruch tut. Auf der Leipziger Buchmesse fand der Autor selbst die geeigneten Worte, das Plädoyer seines Buchs, schmunzelnd und vielleicht nicht ganz ohne Pathos, auf den Punkt zu bringen: „Dafür ist Literatur ja da: um den Liebenden Recht zu geben.“

  • Sebastian
    2018-09-26 15:35

    Wunderbar, feinfühlig, unterhaltsam, ungewöhnlich, witzig, aufschlussreich. Mir fallen lauter positive Adjektive für dieses Buch mit dem schlichten Titel ein, der seiner Reichhaltigkeit nicht gerecht zu werden scheint, und doch genau trifft, worum es in diesem Buch geht. Der Modus, eine "Seite" pro Tag zu schreiben, ist reizvoll, der Erzähler (ungleich Autor?) durchbricht zudem mehrfach die vierte Wand, was neben dem ohnehin schon interessanten Sujet die spannende Frage nach dem Verhältnis zwischen Erzähler und Autor sowie nach dem Realitätsgehalt der Erzählung aufwirft. Rundum zu empfehlen!

  • Marlene
    2018-10-03 18:28

    Abgesehen von den recht witzigen und idiotischen Aktionen des jungen Verliebten einfach nur anstrengend zu lesen.